Heut Abend bin ich mit der Chaaly durch die Gegend gewandelt. Und im Gegensatz zu den coolen Zehnjährigen hatten wir keinen Wodka, sondern Kakao dabei. Auf dieses Grundgerüst haben wir dann ganz viel Spaß drauf aufgebaut, wer’s nachmachen will sollte folgende Schritte beachten:
Schritt 1: Fülle Milch in einen Messbecher, reiß die Kakaopackung so auf, dass die Hälfte auf dem Boden landet. Verdrück dich dann, nachdem du die Mischung in die Sprudelmaschinenflasche gefüllt hast. Lass den Dreck liegen, sonst verpasst du noch deinen Bus. Kannst du immer noch machen, wenn du mal heimkommst. Hab ich auch geschafft. Wie gesagt, verpass nicht den Bus, wo dann schon deine Freundin auf dich wartet, mit der du dann die Hälfte des Kakaos beim Busfahren verschüttest trinkst.
Schritt 2: Geht zuerst mal zur Bank, holt genug Geld für dies und das, hüpft durch die Gegend. Bemerkt dann am Busbahnhof, dass der nächste Bus zum IKEA (wo ihr die ganze Zeit hinwolltet) erst in ‘ner Stunde fährt. Macht euch dann kurzerhand zu Fuß auf den beschwerlichen Weg. Lasst euch nicht von irgendwelchen mies aussehenden Kriminellen stören, die am Telefon diskutieren, ob irgendjemand aus Deutschland raus soll.
Schritt 3: Kommt dann schlurfend und von bellenden Frauen verfolgt am IKEA an, brecht NICHT durch’s Fenster ein, klettert auch nicht über den Balkon, versucht’s erst mal am Ausgang… Wenn’s da nicht klappt, ja nix kaputt machen. Lauft einfach quer über den Grünstreifen bis zum Eingang. Dreht euch mit der Drehtür, bis ihr im IKEA drin seid.
Schritt 4: Habt möglichst viel Spaß im IKEA. Testet jedes Bett, jede Couch, öffnet jede, aber absolut jede Dose, die da rumsteht (erzählt euch auch gegenseitig von den Erfahrungen, die ihr schon beim Öffnen einer solchen Dose gemacht habt..und den Gerüchen, die da rauskamen..). Taucht in Kissen ein, spielt Verstecken in Vorhängen und Abstellräumen, kotzt auf den Teppich und schnappt euch das Kehrblech. Dann schubst euch gegenseitig in die Textil- und Teppichabteilung, wo ihr natürlich euer Date mit Lusy Kloss nicht versäumen wollt (mittlerweile liegt sie in meinem Zimmer rum, sogar in doppelter Ausführung). Verprügelt euch mit Kissenrollen. Bewundert die geilen teuren riesigen Schwarzweißphotographien von bekannten Großstädten, stellt euch einfach ne halbe Stunde mit offenem Mund davor. Rutscht alle Kinderrutschen hinunter, die ihr finden könnt, lest euch gegenseitig aus den schwedischen Kinderbüchern vor. Und setzt euch unbedingt an die geilen Kinderzeitvertreibsbildschirme und malt irgendwelche dummen Ritter an und dreht an Lenkrädern. Denn das Bällebad ist ja mittlerweile ein Märchenwald. Und vor allem: Holt euch IKEA-Bleistifte. Wagenladungen voll. Meine Anekdote dazu: Ich steh gerade so schön vor diesem Behälter, aus dem die unzähligen Bleistifte mich anlächeln, da ruft die Frau hinter mir ihren Mann: Klaues. Verstanden?
Schritt 5: Verwirrt die Kassierer und vor allem die Kunden an der Kasse (aber nur Kakao trinken!!). Bezahlt, beladet euch mit eurem Zeug, wenn ihr nicht mehr als zwei Arme habt, müsst ihr gucken, wie ihr euch helft. Dann geht unbedingt ‘nen Hot Dog essen. Wartet bis das leere Röstzwiebelbehältnis wieder aufgefüllt ist, schließlich sind Röstzwiebeln das coolste an der Sache. Esst dann grad se lääds noch mehr Röstzwiebeln. Holt euch mindestens zweimal Cola, schließlich passt das toll zu dem Kakao in eurem Magen. Dann.. nutzt noch mal den letzten Kindervergnügungsritterbildschirm, dann macht euch schleunigst auf den Weg da raus, sonst wird dafür schon gesorgt.
Schritt 6: Bemerkt dann, nachdem ihr immer wieder abwechselnd über Grünstreifen und Straße gehüpft seid, dass ihr noch genau 11 Minuten habt, bis der Bus zurück nach Saarlouis fährt. Und dann, dann macht ihr das, was ihr schon IMMER, seit der Existenz des Lisdorfer IKEAs, mal machen wolltet: Testet das überdimensional große Werbungs-IKEAbett, dass auf einer der Grünflächen an der Straße steht und mit dem Banner darauf die Leute schön ins IKEA lockt. Es ist nicht sonderlich bequem, aber ihr müsst versuchen, es nicht kaputt zu machen. Dann geht ihr zur nächsten Litfasssäule, lauft 2000 Mal drumherum, guckt euch alles genau und extrem interessiert an, schlagt die Plakate mit den Schlagersängern mit der Kissenrolle… Dann stellt euch in blöden Verrenkungen und Grimassen dahin und lenkt lustlose Autofahrer von ihrem täglichen Frust ab. Achtet darauf, dass ihr in dieser Zeit nicht euren Bus verpasst.
Schritt 6: Schafft den Bus dann grad so, such du erst mal deine Busfahrkarte (die in zwei Hälften geteilt ist, also such besser deine BEIDEN Busfahrkartennnn). Dann bemerkt, dass es ein unglaublich alter klappriger Bus ist, der vorn nur einzelne Sitze hat. Setzt euch demonstrativ hintereinander und prügelt euch mit der gepolsterten Schlagstock-Kissenrolle, mit der ihr euch zuvor bewaffnet habt, nur zur Vorsorge.
Schritt 7: Steigt dann am Busbahnhof aus, bevor der schlagerhörende Busfahrer die Krise kriegt und stellt dann fest, dass in Saarlouis grad noch Kirw is. Geht dann also kurzerhand und Schponschpop-sabbernd auf die Kirw. Tappt 20 mal hin und her drüber, macht an jedem Stand Bewegungen zur Musik (fast überall Hip Hop – seid also vom Swing-Ständchen besonders angetan). Lauft vor Leuten weg, die ihr kennt, versteckt euch hinter Teletubbie-Luftballons. Lacht von unten die Leute aus, die auf das waghalsige Drehding gehen, das am Tag davor schnell mal mehr oder weniger aufgebaut wurde. Bringt sie dazu, zu kotzen und ihre Kotze unten wieder aufzufangen, oder so ähnlich.
Riecht die Düfte. Lasst euch ja nich nach „Kippen un Feuer“ fragen, sowas habt ihr eh nich dabei. Lauft dann den Leuten mit Gitarre hinterher, macht einfach nur Schwachsinn. Hämmert auf die Touchscreenteile der öffentlichen Telefone (Übrigens, wenn man auf den Tchiboschalter drückt, kommt verdammt noch mal KEIN KAFFEE aus dem Münzeinwurfschalter!!!), torkelt, kreiert komische Gangarten, lacht euch tot über Schtiiiven und das Mädchen, dass sei Pfopcorrn verloar hatt un will dass da Schtiiiven et uffhäbt. Wenn ältere Damen vorbei gehen, die sich über die saufende Jugend von heute beschweren, dann geht ganz brav lächelnd und unterhaltet euch über den Chemietest.
Nutzt dann die tollen Drehteile auf dem kleinen Markt. Malt euch aus, wie ihr Dates von Mitschülern versauen könnt. Und fühlt euch in einem Punkt den Zehnjährigen mit den Badewannen voll Wodka überlegen: Ihr habt nix außer Kakao und Cola getrunken, trotzdem benehmt ihr euch wie nicht von dieser Welt – mit dem einzigen Unterschied, dass ihr durchgehend vollständig Frau eurer Sinne seid, während andere in eurem Alter (gegebenenfalls eben leider sogar Zehnjährige) einfach nicht merken, wann Schluss ist. (Man braucht eben einfach keinen Alkohol, um besoffen zu sein.
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Schritt 8: Geht dann, nachdem ihr zwanzig mal durch die halbe Stadt hin und her gelaufen seid, zum Busbahnhof. Kriegt Lachanfälle, während ihr auf den Bus wartet, geht von oben nach unten über den ach so spannenden Busbahnhof spazieren. Wenn ihr dann in den Bus einsteigt, redet ja nicht zu laut oder zu flüssig über Schponschpop und Pfopcorrn, je nachdem wie tolerant euer Busfahrer ist. Entscheidet spontan, eure Gesichter und vor allem eure Nasen doch nicht dumm an die Fenster zu drücken. Die Fenster sehen in Bussen eben selten sehr einladend aus. Aber bemerkt stattdessen die spontane Ironie, die gerade draußen an euch vorbei läuft: Der Amerikanischefernsehkrimiserienvaterdesopfersdermitmaschinengewehrvormfernsehrsitzt -Typ, der jemanden aus Deutschland rausschicken will. Vielleicht hat er euch den halben Tag verfolgt (auch wenn sich das bei eurer Wegstrecke leicht verkompliziert hätte), habt ihr auf eurer fantastischen Tour auch nur einmal hinter euch geguckt, wenn nicht grade Fahrradfahrer ihr Fahrrad zu Schrott gefahren haben? Naja, seid auf jeden Fall im Bus nicht allzu laut. Da wollen Leute schlafen…
Freut euch auf jeden Fall wie Honigkuchenpferde darüber, dass ihr am nächsten Tag schwimmen geht. Und freut euch wie Marmeladentörtchenziegen oder so ähnlich darüber, dass ihr gerade knapp dreieinhalb Stunden puren Spaß erlebt habt, nüchtern und niveauvoll. Beschließt, sowas öfter mal zu machen.
Das war also eine leicht gepuschte Version meines wunderbar lustigen Samstagabends. Im Hinblick auf die Zeitumstellung und die Schule, für die ich noch nix gemacht hab, graut’s mir zwar vor Sonntagabend, aber dafür hatt’ ich wenigstens heute meinen Spaß, danke an Schweden und an Chaaly und an die komische Kirmes, die total bescheuert ist, weil ungefähr 5 Kinderkarusselle darumstehen und niemand uns drauflassen wollte.
Am Wochenende war ich endlich mal wieder auf Fahrt, das erste Mal für dieses Jahr. Im Rahmen der Stammessternfahrt waren wir in vier verschiedenen Fahrtengruppen unterwegs, ich gehörte zur ultracoolen Patchworksippe – bestehend aus dem Rest der Sippen Avalon, Galahad und Ygraine.
Wir sind dann aufgrund Kälte und Dunkelheit recht schnell in die Schlafsäcke, haben aber dennoch durch die Kohtenbahnen hinweg kommunizieren können. Auch wenn’s in der Nacht eiiiiiiiiskalt und verdammt eng war, hab ich relativ viel geschlafen (also relativ viel im Vergleich zu anderen Fahrten), übrigens auf den ehemaligen Gräbern unserer Forweiler Vorfahren, wie wir am nächsten Tag erfuhren… Und der Alex hat sowieso ganz komische Sachen gemacht. Vielleicht temperaturbedingt, vielleicht überfielen ihn Zombies, vielleicht auch nicht, jedenfalls hat sein Gehirn ihm in den Kopf gesetzt (!), die ihn anlächelnde Gurke müsse er einfach verschlingen. Und verschlingen heißt hier verschlingen. Nicht etwa essen oder so…
Ein sehr sehr sehr sehr sehr sehr SEHR geiles Wochenende, wunderbarer Auftakt für die Fahrtensaison 2009, tagsüber gutes Wetter, tolle Leute, tolle Stimmung, dasselbe wie immer. Ich freu mich auf die nächsten Fahrten in diesem Jahr. 


