
London pur.
Der 11. und 12. September 2010: das beste Wochenende meines Lebens bis jetzt. Irgendwann nachts im Juli hatten sich meine Brüder und ich spontan dazu entschlossen, einen mega Kurztrip auf uns zu nehmen, und so saßen wir mitten in der Nacht von Freitag auf Samstag zusammen mit der Franzi, die das gleiche Ziel hatte, im Auto auf dem Weg zum Flughafen Hahn und wenig später, während die Sonne immer noch nicht aufgegangen war, im Flugzeug nach London-Stansted. Zeitverschiebung inbegriffen, waren wir ungefähr 3 Minuten in der Luft, nicht schlecht, ne.
Wieder zu dritt sind wir dann mit dem Bus in die Stadt gefahren, treffenderweise zur VICTORIA Station, von wo aus wir den obligatorischen 4-Tage-Touristentrip in einem halben Tag hinter uns brachten: Buckingham Palace, St. James Park (Eichhörncheeen!
), Green Park, die Reiter von Rohan Horse Guardians, St. Paul’s Cathedral, Globe Theater, Millenium Bridge (die schicke Brücke, die im 6. Harry Potter-Film von Todessern zerstört wird), Tower of London, Towerbridge (übrigens auch im hochgeklappten Zustand), Big Ben und ähnliches. Das fantastische Mayor’s Themse Festival allerdings hat mich, wenn irgend möglich, noch mehr vom Status der Briten als coolstes Volk der Welt überzeugt: denn beim Fiest on the Bridge sind unzählige Menschen als Gemüse verkleidet und mit Blumentöpfen auf den Köpfen da rumgelaufen, haben eine Ökoparty geschmissen und hatten den größten Spaß aller Zeiten.
Jedoch, kaum zu glauben, waren wir nich ausschlaggebend wegen dieser tollen Stadt in dieser tollen Stadt, sondern um eine der grandiosesten Bands aller Zeiten – da sind wir uns alle einig – endlich live zu sehen: MUUUUSE!
Also fuhren wir ein paar streckensperrungsbedingte Underground-Umwege, bis wir schließlich ziemlich baff mit einer Riesenhorde gleichgesinnter Menschen zum zweitgrößten Fußballstadtion Europas, dem Wembley Stadium, strömten.

Außerirdisch!
Gerade pünktlich zur zweiten Vorband White Lies (I Am Arrows hatten wir leider verpasst) betraten wir das Stadion – und waren überwältigt. Denn uns bot sich der Anblick von 70.000 Menschen, auf unendlich hohen Rängen und in einer riesigen Mitte versammelt, die alle wegen Muse hier waren – und man muss bedenken, dass am Tag davor schon eben soviele Menschen auf dem ersten Konzert der Band an diesem Wochenende waren. Somit also die halbe Weltbevölkerung um uns herum.
White Lies und die letzte Vorband, Biffy Clyro, waren beide recht gut, jedoch konnten wir es natürlich kaum erwarten Muse zu sehen und erkämpften uns deshalb einen für die Größenverhältnisse des Stadions recht guten Pitch-Standing-Platz, ungefähr 100 Meter von der Bühne entfernt.

Exogenesis.
Und dann kamen Matthew Bellamy, Christopher Wolstenholme und Dominic Howard auf die riesige, dreidimensionale Bühne, und das ganze Stadion sang laut mit – es war atemberaubend. Während des zweiten Liedes – Supermassive Black Hole – fielen dann die einzigen Regentropfen des Wochenendes, was die ganze Dramaturgie der Lichtshow NOCH besser machte. Auf den riesigen Vierecken über die Bühne sah man eine phänomenale Videoshow, eine Mischung aus darübergelegten Livemitschnitten und einigen echt guten, den jeweiligen Liedern angepassten Videosequenzen.
Die Hebebühne in der Menge, auf der die Band für ein Lied stand, und die Konfettikanonen während Guiding Light waren schonmal echt gut, aber nichts gegen das riesige UFO während Exogenesis Symphony Part 1 (eine der 6 Zugaben), an dem eine glitzernde Schlangenfrau in luftiger Höhe akrobatische Bewegungen vollführte. Der absolute Knüller.
Nach insgesamt 23 Liedern war das beste Konzert unserer drei Leben rum und wir wurden mit 69.997 anderen euphorischen Menschen zur U-Bahn-Station geschleust – was unheimlich gut funktionierte, da die Polizisten auf Pferden den Überblick behielten und sich regelmäßig querstellen konnten, um nur eine bestimmte Menge an Leuten durchzulassen. Daran könnten sich deutsche Sicherheitskräfte durchaus ein paar Scheiben abschneiden. An dem Konzept, nicht an den Pferden.

yeah
Da unser Flughafenbus erst mitten in der Nacht fuhr, wollten wir uns zunächst in der Victoria Station und danach in einem Einkaufszentrum ein wenig hinlegen, jedoch wurden wir dank Sperrstunde aus beiden rausgeworfen. Immerhin sind wir dann mit einem früheren Bus gefahren, haben am Flughafen noch zwei Stunden quer auf den Sitzbänken geschlafen und wurden schließlich im Flugzeug die ganze Zeit von nervigen Pling-Gongs aus dem Schlaf geholt, allerdings kam nach der Autofahrt nach Hause direkt die Zahnbürste, dann das Bett und schließlich lecker Nudelsalat, somit konnten wir uns von den Strapazen erholen.
Also: Phantastisch, phänomenal, grandios, gigantisch, superdoopermegageil, sehr besonders, unglaublich, atemberaubend, absolut umwerfend und allgemein wirklich ein Wochenende und vor allem ein Konzert, von dem ich noch meinen Nachfahren im Jahr 3056 erzählen werde.